Realismus heißt Tiefe, nicht Detail
Fotorealistisches Haar hat sichtbare Schichten: dunkle Strähnen liegen hinten, Mitteltöne in der Mitte, helle Strähnen fangen oben das Licht ein. Eine einzige flache Strähnenschicht zu malen sieht immer wie eine Perücke aus. Der Trick ist, mehrere Durchgänge aufzubauen, jeder heller und spärlicher als der vorige. Starte von den Massen, die du im kompletten Haar-Guide angelegt hast.
Schritt 1 — Dunkler Grunddurchgang
Lege über Grundfarbe und Schatten den ersten Strähnen-Durchgang in deinem dunkelsten Haarton an. Deck den Großteil der Fläche ab, aber folge dem Verlauf. Diese tiefen Strähnen werden zu den Lücken zwischen dem helleren Haar und geben der Masse ihre Tiefe.
Schritt 2 — Mittelton-Strähnen
Male auf einer neuen Ebene weniger Strähnen in einem mittleren Wert, vor allem in den belichteten Bereichen. Lass den dunklen Durchgang durchscheinen. Jeder Durchgang sollte weniger Fläche abdecken als der vorige — dieses Ausdünnen erzeugt die Illusion von Tiefe.
Schritt 3 — Das Glanzband
Haar hat ein Glanzband — einen weichen Lichtring, der den Kopf dort umschließt, wo er das meiste Licht einfängt, wie das Glanzlicht auf einer Kugel. Male es zuerst als weiche Form und zieh dann ein paar helle Strähnen hindurch. Mach es nicht zu einem harten Streifen; brich die Kanten mit Strähnen auf. Dieses eine Merkmal tut am meisten für den Realismus.
Schritt 4 — Helle Akzentsträhnen
Eine Handvoll der hellsten Strähnen, nur innerhalb des Lichtbands, zieht den Blick an und liest sich als Glanz. Nutze einen Einzelsträhnen-Pinsel mit Spitze bei niedriger Deckkraft und bau es auf. Weniger ist mehr — ein Dutzend gut platzierter heller Strähnen schlägt hundert.
Schritt 5 — Abstehende und verirrte Härchen
Echtes Haar ist nie perfekt gebändigt. Setze feine abstehende Härchen am Silhouettenrand und ein paar, die den Scheitel kreuzen. Variiere ihre Länge und Krümmung. Das ist das Detail, das echt aussehendes Haar am stärksten von steifem Haar trennt.
Schritt 6 — Den Ansatz weichzeichnen
An der Kopfhaut sollte das Haar in den Kopf übergehen, nicht obenauf liegen. Nutze einen Verwischer oder einen dunklen Pinsel mit niedriger Deckkraft, um dort weichzuzeichnen, wo die Strähnen auf Scheitel und Haaransatz treffen. Dieselbe Logik wie dort, wo Haar an die Stirn stößt, in realistische Haut.
Häufige Realismus-Killer
- Gleichförmige Strähnen — variiere Abstand, Länge und Wert, sonst wirkt es aufgemalt.
- Glanzlicht als Streifen — brich das Lichtband immer mit Strähnen auf.
- Zu viele helle Strähnen — Glanz besteht aus ein paar Akzenten, nicht aus einer Fläche.
- Harte Silhouette — mildere die Kante mit abstehenden und ein paar feinen Strähnen.
Pinsel für die Aufgabe
Du brauchst einen Mehrsträhnen-Pinsel für die Durchgänge und einen feinen Einzelsträhnen-Pinsel für Akzente und abstehende Härchen — beide kostenlos in der Kategorie Haarpinsel. Du malst stattdessen Fell? Die geschichtete Durchgangsmethode ist identisch in Fell zeichnen.